EllasNepal

2.3. - 17.4.2010



Montag, 15. März 2010

Wie ein Faehnchen im Wind...

oder eben an Stelle eines Faehnchens Handschuhe oder OP-Abdecktuecher, die froehlich vor sich hin trocknen. Alltag im Western Regional Hospital. Wir bestreiten unsere Famulatur auf der Gyn + Geburtshilfe, die durchaus Zuege einer Massenabfertigungsanlage hat. So viele Schwangere. Es gibt ein Programm in Nepal, mit dem die Frauen zur Geburt ins Krankenhaus gebracht werden sollen, um Infektionen und Mortalitaet sowohl der Kinder als auch der Muetter zu senken. Somit sind alle Entbindungen, die wir sehen, seien es Kaiserschnitte oder "normal deliveries", vom Staat bezahlt und die Muetter bekommen noch 1000 Rupien, wenn sie das Krankenhaus wieder verlassen.
So schockierend ist das Haus im Uebrigen nicht (zumal wenn man rumaenische KHs kennt...). Nur der Umgang mit den Patientinnen erscheint uns doch sehr grob, da wird gerne mal ein Schlag auf den Kopf oder Ruecken gegeben, wenn eine 19 jaehrige Erstgebaerende Angst vor dem anstehenden Kaiserschnitt hat. Und auch AUfgabenverteiloungen sind anders als zu Hause: Die Familie uebernimmt hier viel mehr die Pflege der Patienten, Schwestern erledigen eher den buerokratischen Aufwand. An einer Wand haengt ein Schild, auf dem die Hierarchie der versch. Kasten nochmals fuer jedermann nachlesbar ist. Zunaechst sind da die Dalits, dann folgen andere "underpriviledged". Irgendwo abseits tauchen auch Moslems auf. Welche Auswirkungen das konkret auf die Versorgung der Menschen hier hat, bleibt uns jedoch unklar.
Sophie und ich halten uns meist im Aufnahmeraum auf, wo wir per Bauch-Abtasten die Lage des Kindes im Mutterleib bestimmen und ab und an auch den Fortschritt der anstehenden Geburt ertasten koennen. Das ist durchaus lehrreich. Und ist in der Aufnahme mal kurz Verschnaufpause angesagt, schauen wir im Kreisssaal bei Entbindungen zu. Da geht's meist ganz schoen ab. Schon erstaunlich, dass Muetter ihre Kinder lieben koennen nach solchen Qualen. Etliche Muetter erleiden Dammrisse oder es wird ein Dammschnitt gesetzt, ohne oertliche BEtaeubung.
Mittwochs und Sonntags stehen die OPs der Gyn+ Geburtshilfe fuer elektive Eingriffe zur Verfuegung. Auch hier ist es anders als daheim; nach erfolgter Entbindung wird schnell der Boden durchgewischt, wenn allzu viel Fruchtwasser oder Blut auf dem Boden gelandet ist, die naechste Patientin wartet derweil an der Tuer. Eine Frau hatte nach Inzision nach Pfannenstiel einen Blutdruckabfall auf 69/35. Bitte, lehre mich jemand, was man bei uns taete? Ich denke da spontan an Epinephrin, Dopamin...? Hier lautete die Devise watch&wait, ca 8 Minuten. DAnn war die Didi (=hoefl. Anrede fuer Frau) wieder stabil und es ging weiter.
Wir versuchen, uns unsere KH Alltag noch ein wenig spannender zu gestalten, indem wir auch andereStationen erkunfen. Auf der Radiologie konnten wir ein paar Schwangerschafts-Ultraschalls mitverfolgen. Bei einer Frucht waren die Genitalien ziemlich gut zu erkennen. Dies teile man jedoch den werdenden Muettern nicht mit, da Maedchen kaum erwuenscht sind und man irgendwelche "Komplikationen" dadurch vermeiden moechte... (Nebenbei, immerhin wurde bereits Anfang des 20. Jhdts. der Brauch abgeschafft, Witwen lebendig mit ihrem Mann zu verbrennen.)
Im Grossen und Ganzen ist es so, wie ich es erwartet hatte: voll, Familien-betrieben (die Angehoerigen waschen, bringen Essen, melden Auffaelligkeiten...), re-capping und re-using ist normal, Sauberkeit wir neu definiert, aber letzten Endes funktioniert es. In Patientenakten wird uebrigens nebst Name und Geburtsdatum auch die Kaste notiert. Alle Schwangeren werden auf HIV getestet. Und all der PApierkram, der so anfaellt, wird nicht vom KH aufbewahrt, sondern vom PAtienten, der die Sachen beim naechsten Aufenthalt wieder mitbringt.
Nachmittags verbringen wir die Zeit druassen, schlendern durch die Stadt und geniessen Momos (sehr leckere, leicht scharf gewurzte Teig-Taschen) oder Chowmein (gebratene Nudeln), Samosas oder oder oder... Oder erkunden die naehere Umgebung. Ein Ausflug hat uns ans andere Seeufer gebracht, auf dessen Bergruecken die "wolrd peace pagoda", eine buddh. Gebetsstaette, ruht. Ein wundervoller Aufstieg durch subtrop. Wald, an dessen Ende wir Ueberblick ueber Pokhara erhielten. Ganz schoen gross, die Stadt. Erstmals auch erblickten wir Affen in freier Wildbahn. Wir beiden Angsthasen haben jedoch fluz die Beine in die Hand genommen, als diese Tierchen sich uns naeherten... Im Nachhinein ziemlich witzige Vorstellung, wie wir so durch die Gegend spurten...
Am Rueckweg kamen wir wohl ein wenig vom rechten Pfad ab. Letztendlich konnten wir vor Einbruch der Dunkelheit das Terrain eines der Top-Hotels der Stadt durchqueren, um wieder sicher nach Lakeside zu gelangen. Sehr freundlich.

3 Kommentare:

  1. Hallo Chrissi, schön von dir/euch zu lesen. Es macht uns viel Spaß, deine Geschichten zu verfolgen, die du mit einem doch unbestreitbar großen Talent so bildhaft in Worte fassen kannst. Vielleicht kannst du uns ja noch in der Urlaubsplanung für Nepal überzeugen... Weiter so und noch viele tolle Erlebnisse wünschen Cathrin und Florian

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  2. Hey Chrissi.
    Schön von Dir zu lesen. Scheint ja alles sehr lehrreich zu sein und auch Spaß zu machen. Auch wenn ich glaube, dass Dopamin in der o.g. Situation auch bei uns nicht indiziert wäre, oder? ;)
    Liebe Grüße, auch an Sophie!!

    Stephan

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  3. huhu!
    mh, ich dachte halt so wegen vasokonstriktion oder so.... inzwischen hab ich rausgefunden, dass man da vielleicht ein wenig ephedrin nachgeben sollte (das sollte in einer ordentlichen spialanaesthesie dabei sein, wie du sicher weisst), um die venoese vasodilatation abzufangen. hoechstwahrscheinklich war da einfach die anaesthesie ueberdosiert.... na, die frau hat trotz kind und allem drum und dran nur 48 kg gewogen...
    liebste gruesse, stoevili!

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