EllasNepal

2.3. - 17.4.2010



Mittwoch, 10. März 2010

Stadterkundung

Ziemlich schnell verlassen wir auf dem Weg nach old Pokhara die touristic zone, die extra durch ein Schild und Hup-Verbot gekennzeichnet ist. Ich kann schon verstehen, warum sich nicht allzu viele (bis gar keine) Touris dorthin begeben. Das PAradies ist doch vollkommener (kann man 'vollkommen' eigentlich steigern, ich meine sinnvoll?!), wenn man all die Blechhuetten und den Dreck im Bach nicht siehht. Von allen Seiten rufen uns Kinder "namaste" oder "hello" entgegen und lachen. Die ganz kleinen schauen ein wenig scheu hinter dem Knie der Mutter vervor, an deren Stelle grinst dafuer die Mutter.
An einer Kreuzung entdeckt Sophie einen Barber fuer gents & ladies, so dass ich eine alten Tradition gerecht werden konnte: Haareschneiden im Ausland. Einsatz: ein bisschen Mut, ein bisschen Sitzfleisch (eine ganze Horde Kinder war vor mir dran), und 50 Rupees. Was ich dafuer bekam? Den typischen Nepali-Schnitt, zeitlos: man kaemme die Haare alle radiaer vom Mittelpunkt des Kopfes weg und schneide dann alle ab. Am Ende sind sie gleich lang und ihr Ende so gerade wie vom Stapler abgetrennt. Sophie fand derweil heraus, dass die gruenen Bananen hier besser schmecken als die gelben.
Eine Familie war damit beschaeftigt, Stroh, das vor dem Eingang zu ihrem Haus lag, in grosse Buendel zusammenzu fassen. Ich wollt wissen, wohin damit und fragte per Handzeichen, ob ich denn einen Blick hinter die Tuer wagen duerfte. Um nicht gar so unhoeflich zu erscheinen, warf ich mir auch einen Packen Stroh auf den Ruecken und trat ein. Im Hinterhof waren die Maenner dabei, diese Buendel zu einer Art "Pilz" aufzutuermen. Futter fuers Vieh. Das gesamte Haus war aus dunklem Holz und Lehm gebaut. Wunderschoen. Die kleinen Kinder freuten sich nen keks, dass eine weisse Frau ihnen ihr Stroh traegt.
Ein paar Schritte aufwaerts begannen die Newar-Haeuser. Die Newar sind ein urspruenglich sehr wuerdevoller Stamm aus dem Kathmandu-Tal, deren Haeuser durch schmucke Holzornamente (und ihre winzige Hoehe) hervorstechen. Traditioneller Weise transportieren Newar-Maenner ihre Waren in Koerben, die links und rechts an Bambusstangen baumeln, die sie im Nacken tragen. Die Sarees der Newar-Frauen weisen eine spezielle Faltung an der Front auf. Es heisst, im Kathmandu-Tal gaebe es noch immer Newar, die noch nie mit Geld in Kontakt gekommen seien, weil sie nur vom Tauschhandel leben! Im Uebrigen ist auch die Kumari Devi, eine lebende Goettin, die den Staatspraesidenten segnet, vom Newar-Stamm (empfehlenswerte Lektuere: 'From Goddess to Mortal', Scott Berry). Ich glaube, dieser Teil der Stadt gefaellt mir am Besten.
Wir streifen weiter so durch die Gassen, uns beiden gehen immer wieder die Augen ueber. Nach einem tee in einem Haus, das scheinbar gar kein Teehaus ist, wird uns auch ein Zimmer in diesem "hotel", das wohl auch gar keins ist, angeboten. Hoeflich lehnen wir ab und machen und auf den (langen) Weg zurueck insTouri-Viertel Lakeside.
Hungrig und sonnenverbrannt kommen wir heim, geniessen erneut daal bhaat und den Sonnenuntergang am See, in Vorfreude auf den morgigen Tag, unseren ersten Tag im Krankenhaus. Ich dneke, ich werde recht gut schlafen heute Nacht; behuetet vom kleinen Salamander, der sich in unser Zimmer geschlichen hat, werden meine mueden Knochen ruhen und mein Geist den Traeumen folgen, die der Rauch der Joints aus dem Zimmer nebenan ihm eingibt...

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