EllasNepal

2.3. - 17.4.2010



Dienstag, 20. April 2010

Einladung nach Abu Dhabi

...ein neuer Aufenthaltsort, ein neuer Blog....

http://el-scheich-la.blogspot.com

Samstag, 17. April 2010

komm, ich such mir einen Scheich...

lang lang ist's her, dass es was Neues zu lesen gegeben hat hier. nun, woran das liegt, erzaehle ich besser mal bei einem gemuetlichen zusammentreffen, wenn es denn interessiert. die gute nachricht jedenfalls ist, dass es uns im grossen und ganzen gut geht. nur, dass wir jetzt kurz mal land und kultur gewechselt haben.
ABU DHABI, eine Stadt aus tausend und einer Nacht. und wir sitzen hier fest, hoffentlich nicht so lange wie eben erwaehnt. Die Fluege nach Europa sind gestrichen. Mal sehen, wie lange wir hier noch ausharren duerfen. Man haelt uns mit einer luxurioesen Unterkunft, gutem Essen und dem kristallblauen Golf von Arabien bei guter Laune. So naemlich ist das also.
Gerade kam die Nachricht, dass wir, wenn wir Glueck haben, zwei Naechte hier bleiben, wir sollen uns aber eher auf einen mehrtaegigen Aufenthalt einstellen. Unser Visum gilt 30 Tage, ich hoffe, das reicht.
Salaam alleikum.

Donnerstag, 25. März 2010

mobile clinic health camp

frueh morgens um halb fuenf mache ich mich auf den Weg auf die andere Seite von Lakeside, um auf der Ladeflaeche eines kleinen Transporters ueber nepalesische Schotterpisten zu einem health camp zu fahren, bei dem Menschen medizinisch versorgt werden, die sonst keinerlei Zugang zur Medizin haben. Noch vor Sonnenaufgang fahren wir los, die Luft ist an und fuer sich angenehm kuehl, die Strassen dunkel und ruhig. Der Fahrtwind ist schneidig und ich bin froh, hinter dem Fahrerhaeuschen den Windschatten ausnutzen zu koennen. Nur meine Fuesse haengen ueber die Bruestung und geniessen die Freiheit. Insgesamt zu siebt, auf der Ladeflaeche zu dritt, duesen wir aus dem Dunkel der Nacht in den grauenden Morgen, verlassen die Stadt gen Westen. Sobald der Tag Oberhand ueber die Nacht gewinnt, sind etliche Nepalis diszipliniert am Wer. Fruehsport. Kein Witz. Sie gehen joggen oder machen Kraeftigungsuebungen an der Schlucht des Khali Gandaki, dem Fluss, dessen Lauf wir ca 5 h lang verfolgen. Majestaetisch erhebt sich der Mt. Fishtail, dessen 2-gespaltene Spitze wir erstmals ausserhalb der Stadt wahrnehmen. Ich kann kaum wiedergeben, was ich sehe oder fuehle, ich kann nur mehr staunen. Tief hat sich der blaue Fluss in schroffen Fels gegraben, die Strasse folgt dem kurvenreichen Lauf des Gewaessers. Die Sonne taucht die Annapurna mountain range in sanftes gold, mein Haar tanzt zur Musik, die der Wind spielt, waehrend die steten Schlagloecher den Rhythmus vorgeben. Es sieht so einfach und entspannt aus, wenn Nepalis auf den Daechern der voellig ueberfuellten Busse liegen. Bereits jetzt merke ich, dass es ein Ganzkoerpertraining ist, wenn ich mir mein Steissbein nicht voellig verprellen moechte. Puenktlich zum Sonnenaufgang gelangen wir zur hoechsten und laengsten (151 / 344 m ) Haengebruecke des Landes, wo wir gemeinsam mit Affen, die Bananen essen, den Sonnenaufgang geniessen. In Beni steigen noch weitere Mediziner zu, so dass wir den Rest der Fahrt, immerhin noch 2 h, nicht mehr so gemuetlich rumlungern koennen: Tobi, Paul und ich stehen au8f der LAdeflaeche, die anderen 5 sitzen, waehrend wir inzwischen nur noch auf Sandpisten durch sagenhaftes Land fahren. Unsere von Staub der Strasse aschgrau eingefaerbten Gesichter, Haare, Jacken... stehen im krassen Gegensatz zum schreienden Gruen der Felder. Jetzt hat mich das Land ganz fuer sich gewonnen. Diese Fahrt ins abgelegene Hinterland ueberzeugt mich. Die kraftvolle, pure Schoenheit dieses schroffen und gleichsam sanften Landschaftsbildes vereinnahmt mich ganz.
In sengender Hitze erreciehn wir den Ort, in dem in der Schule das Health Camp aufgebaut worden ist. In den Klassenzimmern sind verschiedene Stationen vertreten, im Schulhof stehen die Menschen in langen Schlangen und warten auf Behandlung, die heute fuer jedermann kostenfrei ist. Mit mehr als 1000 Menschen rechnen die Organisatoren. Das ganze Projekt wird u. A. aus EU-Geldern co-finanziert. Innere, Chirurgie, Gyn, HNO, Orthopaedie, Paediatrie und eine Apotheke gibt es. Die Doktores untersuchen auf aus Schulkbaenken improvisierten Liegen; durch die Fenster der Klassenzimmer luken neugierige Kinderaugen. Im Grunde eine schoene Idee, nur glaube ich, dass diese Aktion eher einen "kosmetischen Aspekt" bedient, denn mehr als Aufnahme der Krankengeschichte, Schmerz- und Vitamintabletten und die Empfehlung, im Krankenhaus in Pokhara eine Roentgenaufnahme oder ein Blkutbild anzufertigen, kann auch hier fuer die Menschen nicht getan werden. Ich als Aerztin faende das glaube ich sehr unzufriedenstellend. Ein wenig wirkt es auf mich auch wie ein Triage-Training fuer die MEdiziner, die versuchen, aus dieser Masse an Patienten die "Spreu vom Weizen" zu trennen, also zu erkennen, wer tatsaechlich Hilfe braucht und wem diese auch zukommen kann in diesem Umfeld.
In meinen Augen fehl am Platz aber typisch Nepali-freundlich werden wir deutschen "Aerzte" namentlich einzeln auf eine Buehne gerufen und bekommen als Dank fuer unsere "Arbeit" eine Tika (dieser rote Punkt auf der Stirn) und einen beigen Schal und Blumenkranz umgebunden, waehrend die Patientenmenge unaufhoerlich klatscht. Ich fuehle mich sehr unwohl und bin froh, als wir das Camp nach gut 3 h wieder verlassen. Auch wenn mir das "free riden" auf dem Transporter Spass macht (das hat so was Wildes, Verwegenes...), graut mir vor der Rueckfahrt. So anstrengend, so lang, so holperig, so staubig, so heiss, so eng. Die Aussicht auf sagenhaft schoene Landschaft haelt meine Stimmung hoch, und mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang zwischen den Serpentinen des Khali Gandaki Tales verabschiedet sich dieser Tag und der Mond, der wie eine Schuessel am Himmel haengt, uebernimmt das Zepter. Um kurz nach 7 erreichen wir Pokhara und totmuede schleppe ioch mich nach Hause zu Sophie, die wegs Krankheit daheim geblieben war - wohlweislich.
Bis zu Sophies Genesung sollte es uns noch ein wenig abenteuerlicher Anstrengung benoetigen, inzwischen sind wir aber beide wohl auf und konnten die letzten 3 Tage ueber im Dschungel des Terai Kraft tanken, um morgen unsere Wanderung um das Annapurna Gebirge zu starten. Meine Eindruecke von Rhino, Elefanten und anderem Getiere gibt es also fruehestens in 2 Wochen.
Bis dahin wuenscht uns Glueck, dass wir die Tour schaffen...
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Mittwoch, 17. März 2010

Wieder einmal sitze ich auf dem Balkon, den See und Wasserbueffel im Blick. Inzwischen kann ich diese Ruhe auch wieder geniessen, da Sophie deutlich auf dem Weg der Besserung ist - si hatte die letzten 60 Stunden stark mit Uebelkeit und Erbrechen zu kaempfen. Wenngleich es mir auch sehr Leid tat fuer sie, es war dennoch schoen festzustellen, wie unsere "home community" mitfuehlt. In unserem Stamm-Restaurant erkundigten sich die Betreiber nach ihr und wollten mir Obst fuer sie mitgeben. Unser Flur-Nachbar, der kurz zuvor Selbiges durchmachte, besorgte und Ringer-Loesung, Kanuele und Schlauch aus der Apotheke (so weit kam es Gott sei Dank nicht, aber uns war klar, dass wir, sollte es notwendig werden, die parenterale Rehydratation hier im Hostel vornehmen wuerden, wir kennen ja schliesslich das Krankenhaus...).
Fuer mich bot sich die Gelegenheit, nepalesische Apotheken abzuklappern nach Antiemetika. Zunaechst dachten wir an MCP, wobei wir die Motilitaetssteigernde Wirkung nicht so super fanden - auf den Klos hier will man nicht so wirklich lange und viel hocken. Also fragte ich nach Vomex (Dimenhydrinat). Das jedoch gibts hier nicht. Der Apotheker wollte mir Perazin, ein Neuroleptikum, mitgeben. Damit war ich nciht so ganz einverstanden, weil mir dieses Einsatzgebiet fuer diese Medikamentenklasse so unbekannt vorkommt. Schliesslich kamen wir bei Ondansetron ueberein. Die Rezeptpflicht, die bei uns dafuer herrscht, faellt hier mal schlichtweg unter den Tisch - hier gibts eigentlich alles "over the counter". Dazu noch leckere WHO-Elektrolyt-Loesung und viel, viel Schlaf fuer's Oeppelchen, die ihr Lieblingsgericht, dall bhat, erstmal nicht mehr essen moechte. Inzwischen ist sie wieder wohl auf, toi toi toi.
Waehrend ich hier so sitze und schreibe kamen die Frauen der Familie, die unser Haus betreibt, auf den Balkon, um von hier aus Papayas vom nahe stehenden Baum zu ernten. Mit einem Bambus-Stecken wird der 'Hals' ruckartig durchstossen. Ich bat - ehrlicher Weise mehr aus Neugierde als aus Naechstenliebe- meine Hilfe an und schubste also Papayas vom Baum. Die "Fruechte meiner Arbeit" durfte ich wenig spaeter auch geniessen, die Familie brachte mir ein geschaeltes Stueck. Im Uebrigen braucht man sich nicht um das Wohl der Fruechte sorgen, wenn diese aus ca 5 m Hoehe auf den Boden fallen. Sie zermatschen nicht, weil sie weich von den Hanfpflanzen aufgefangen werden, die hier ueberall im Garten wachsen :-)
Am Tag vor Sophies Uebelkeit begaben wir uns auf einen wunderschoenen Weg zum Pokhara view tower, im Nordosten der Stadt, in 1390 m Hoehe gelegen. Ausgangspunkt war ein buddhistisches Klosten am Rande der Stadt, am Ende der Fleischer-GAsse. In der Fleischer Gasse hockten ueberall Maenner, die Bueffel in Kleinteile zerlegten und uns mit ihren zahnlosen Muendern angrinsten. Allein das Kloster war schon ueberwaeltigend. Dieser bunte, mit unzaehligen Figuren verzierte Bau, der ueber der Stadt trohnt, all die Moenche in ihren rot-gelben Jutten - beeindruckend. Von dort aus schlaengelte sich unser Weg also mal durch Wald, mal durch Bergdoerfer, mal durch die pralle Sonne. Imer aufwaerts, Richtung Fishtail. Unbeschreibliche Anblicke auf Reis-Terassen, Banananstauden, Mango-, Pfirsich-, Papayabaeume, Kuehe, Ziegen... Ein Nepalese, der uns unterwegs begegnete, sprach uns auf Deutsch (!) an, was wir denn heute noch vorhaetten. "Wir erkunden die Gegend. Und wie sieht Dein Plan aus?" -"ich habe nichts vor. Bei uns ist jeden Tag wie Weihnachten". Aah.Das erklaert das viele Rumgehocke der Menschen hier. Aber mal Spass bei Seite. Der Punkt ist, dass hier eine so hohe Arbeitslosigkeit herrscht, dass den Menschen oft nichts uebrig bleibt, als ihre Zeit abzusitzen. Mein Blick in die hiesige Zeitung Republica verdeutlichte dies. Top-Themen sind die INflation und die steigenden Preise fuer Nahrungsmittel, ausserdem eine Cholera-Epidemie, die den Sueden NEpals heimsuchte. ach ja, und Tierschuetzer (!) machen mobil gegen ein BRauchtum, bei dem rohes Yak-Blut getrunken wird. Man solle sich mal vorstellen, wie man selbst sich fuehle, wenn einem die Hauptvene durchtrennt wuerde, damit daraus Blut gezapft werden koenne. Der letze Satz des 3-spaltigen Artikels fuehrte dann auch noch an, dass es ausser Qualen fuer das Tier doch auch fuer den Menschen nicht ganz so heilsbringend sei,wie gedacht, wenn man das rohe Blut der Tiere trinke. Danke, Tierschuetzer!

Montag, 15. März 2010

Wie ein Faehnchen im Wind...

oder eben an Stelle eines Faehnchens Handschuhe oder OP-Abdecktuecher, die froehlich vor sich hin trocknen. Alltag im Western Regional Hospital. Wir bestreiten unsere Famulatur auf der Gyn + Geburtshilfe, die durchaus Zuege einer Massenabfertigungsanlage hat. So viele Schwangere. Es gibt ein Programm in Nepal, mit dem die Frauen zur Geburt ins Krankenhaus gebracht werden sollen, um Infektionen und Mortalitaet sowohl der Kinder als auch der Muetter zu senken. Somit sind alle Entbindungen, die wir sehen, seien es Kaiserschnitte oder "normal deliveries", vom Staat bezahlt und die Muetter bekommen noch 1000 Rupien, wenn sie das Krankenhaus wieder verlassen.
So schockierend ist das Haus im Uebrigen nicht (zumal wenn man rumaenische KHs kennt...). Nur der Umgang mit den Patientinnen erscheint uns doch sehr grob, da wird gerne mal ein Schlag auf den Kopf oder Ruecken gegeben, wenn eine 19 jaehrige Erstgebaerende Angst vor dem anstehenden Kaiserschnitt hat. Und auch AUfgabenverteiloungen sind anders als zu Hause: Die Familie uebernimmt hier viel mehr die Pflege der Patienten, Schwestern erledigen eher den buerokratischen Aufwand. An einer Wand haengt ein Schild, auf dem die Hierarchie der versch. Kasten nochmals fuer jedermann nachlesbar ist. Zunaechst sind da die Dalits, dann folgen andere "underpriviledged". Irgendwo abseits tauchen auch Moslems auf. Welche Auswirkungen das konkret auf die Versorgung der Menschen hier hat, bleibt uns jedoch unklar.
Sophie und ich halten uns meist im Aufnahmeraum auf, wo wir per Bauch-Abtasten die Lage des Kindes im Mutterleib bestimmen und ab und an auch den Fortschritt der anstehenden Geburt ertasten koennen. Das ist durchaus lehrreich. Und ist in der Aufnahme mal kurz Verschnaufpause angesagt, schauen wir im Kreisssaal bei Entbindungen zu. Da geht's meist ganz schoen ab. Schon erstaunlich, dass Muetter ihre Kinder lieben koennen nach solchen Qualen. Etliche Muetter erleiden Dammrisse oder es wird ein Dammschnitt gesetzt, ohne oertliche BEtaeubung.
Mittwochs und Sonntags stehen die OPs der Gyn+ Geburtshilfe fuer elektive Eingriffe zur Verfuegung. Auch hier ist es anders als daheim; nach erfolgter Entbindung wird schnell der Boden durchgewischt, wenn allzu viel Fruchtwasser oder Blut auf dem Boden gelandet ist, die naechste Patientin wartet derweil an der Tuer. Eine Frau hatte nach Inzision nach Pfannenstiel einen Blutdruckabfall auf 69/35. Bitte, lehre mich jemand, was man bei uns taete? Ich denke da spontan an Epinephrin, Dopamin...? Hier lautete die Devise watch&wait, ca 8 Minuten. DAnn war die Didi (=hoefl. Anrede fuer Frau) wieder stabil und es ging weiter.
Wir versuchen, uns unsere KH Alltag noch ein wenig spannender zu gestalten, indem wir auch andereStationen erkunfen. Auf der Radiologie konnten wir ein paar Schwangerschafts-Ultraschalls mitverfolgen. Bei einer Frucht waren die Genitalien ziemlich gut zu erkennen. Dies teile man jedoch den werdenden Muettern nicht mit, da Maedchen kaum erwuenscht sind und man irgendwelche "Komplikationen" dadurch vermeiden moechte... (Nebenbei, immerhin wurde bereits Anfang des 20. Jhdts. der Brauch abgeschafft, Witwen lebendig mit ihrem Mann zu verbrennen.)
Im Grossen und Ganzen ist es so, wie ich es erwartet hatte: voll, Familien-betrieben (die Angehoerigen waschen, bringen Essen, melden Auffaelligkeiten...), re-capping und re-using ist normal, Sauberkeit wir neu definiert, aber letzten Endes funktioniert es. In Patientenakten wird uebrigens nebst Name und Geburtsdatum auch die Kaste notiert. Alle Schwangeren werden auf HIV getestet. Und all der PApierkram, der so anfaellt, wird nicht vom KH aufbewahrt, sondern vom PAtienten, der die Sachen beim naechsten Aufenthalt wieder mitbringt.
Nachmittags verbringen wir die Zeit druassen, schlendern durch die Stadt und geniessen Momos (sehr leckere, leicht scharf gewurzte Teig-Taschen) oder Chowmein (gebratene Nudeln), Samosas oder oder oder... Oder erkunden die naehere Umgebung. Ein Ausflug hat uns ans andere Seeufer gebracht, auf dessen Bergruecken die "wolrd peace pagoda", eine buddh. Gebetsstaette, ruht. Ein wundervoller Aufstieg durch subtrop. Wald, an dessen Ende wir Ueberblick ueber Pokhara erhielten. Ganz schoen gross, die Stadt. Erstmals auch erblickten wir Affen in freier Wildbahn. Wir beiden Angsthasen haben jedoch fluz die Beine in die Hand genommen, als diese Tierchen sich uns naeherten... Im Nachhinein ziemlich witzige Vorstellung, wie wir so durch die Gegend spurten...
Am Rueckweg kamen wir wohl ein wenig vom rechten Pfad ab. Letztendlich konnten wir vor Einbruch der Dunkelheit das Terrain eines der Top-Hotels der Stadt durchqueren, um wieder sicher nach Lakeside zu gelangen. Sehr freundlich.

Mittwoch, 10. März 2010

Paradise?!

Nepal ist mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 388 US-Dollar des ärmste Land der Region und eines der ärmsten Länder der Welt. Rund 50% der Erwachsenen sind Analphabeten. Nepal ist noch immer ein weitgehend von Subsistenzwirtschaft geprägter Agrarstaat. Die Landwirtschaft beschäftigt 68% der Erwerbstätigen und trägt mit 38% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Das größte Entwicklungspotenzial des Landes ist die bisher weitgehend ungenutzte Wasserkraft. Auch der bereits florierende Tourismus birgt noch großes Wachstumspotential. Weitere Potentiale bieten hochwertige (Kunst-) Handwerksprodukte und die Industriestandorte nahe der indischen Grenze. 90% aller Unternehmen des Landes sind Kleinbetriebe, die einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigung leisten, aber nur 4% zum Bruttoinlandsprodukt beitragen.

Eine - abgesehen vom Terai-Tiefland im Süden - äußerst ungünstige Topografie und Siedlungsstruktur sowie die mangelnde Erschließung durch Verkehrswege erschweren die Entwicklungsanstrengungen, besonders für die Bergregionen.

Das gesamtwirtschaftliche Wachstum bewegte sich in den letzten Jahren real zwischen 2% und 4% und war damit zu niedrig, als dass die Armut hätte substanziell reduziert werden können. Die Weltwirtschaftskrise trifft Nepal mit Verzögerungen und wirkt sich über enge Verflechtungen zu Indien und die hohe Abhängigkeit der Wirtschaft von den Rücküberweisungen der im Ausland lebenden Nepalis aus. Die Inflation zeigt eine steigende Tendenz und liegt aktuell bei etwa 13%. Das Investitionsklima leidet vor allem unter den Unruhen im Terai, gesetzlicher Überregulierung, den umfangreichen Stromausfällen (saisonbedingt bis zu 16 Stunden täglich), der schwerfälligen Bürokratie sowie unter Defiziten in Infrastruktur und Ausbildung. Ausländische Direktinvestitionen machen nur einen sehr geringen Anteil am gesamten Kapitalstock aus. Ein Drittel des Staatshaushaltes wird von der Gebergemeinschaft per Entwicklungshilfe finanziert. Politische Instabilität und gesetzliche Restriktionen schrecken ausländische Investoren ab. Der Staatshaushalt schließt chronisch mit hohen Fehlbeträgen. Der Stand der internen Verschuldung und der daraus resultierende Schuldendienst, beide mit leicht steigender Tendenz, könnten Anlass zur Sorge bieten.

Quelle: auswaertiges Amt

Stadterkundung

Ziemlich schnell verlassen wir auf dem Weg nach old Pokhara die touristic zone, die extra durch ein Schild und Hup-Verbot gekennzeichnet ist. Ich kann schon verstehen, warum sich nicht allzu viele (bis gar keine) Touris dorthin begeben. Das PAradies ist doch vollkommener (kann man 'vollkommen' eigentlich steigern, ich meine sinnvoll?!), wenn man all die Blechhuetten und den Dreck im Bach nicht siehht. Von allen Seiten rufen uns Kinder "namaste" oder "hello" entgegen und lachen. Die ganz kleinen schauen ein wenig scheu hinter dem Knie der Mutter vervor, an deren Stelle grinst dafuer die Mutter.
An einer Kreuzung entdeckt Sophie einen Barber fuer gents & ladies, so dass ich eine alten Tradition gerecht werden konnte: Haareschneiden im Ausland. Einsatz: ein bisschen Mut, ein bisschen Sitzfleisch (eine ganze Horde Kinder war vor mir dran), und 50 Rupees. Was ich dafuer bekam? Den typischen Nepali-Schnitt, zeitlos: man kaemme die Haare alle radiaer vom Mittelpunkt des Kopfes weg und schneide dann alle ab. Am Ende sind sie gleich lang und ihr Ende so gerade wie vom Stapler abgetrennt. Sophie fand derweil heraus, dass die gruenen Bananen hier besser schmecken als die gelben.
Eine Familie war damit beschaeftigt, Stroh, das vor dem Eingang zu ihrem Haus lag, in grosse Buendel zusammenzu fassen. Ich wollt wissen, wohin damit und fragte per Handzeichen, ob ich denn einen Blick hinter die Tuer wagen duerfte. Um nicht gar so unhoeflich zu erscheinen, warf ich mir auch einen Packen Stroh auf den Ruecken und trat ein. Im Hinterhof waren die Maenner dabei, diese Buendel zu einer Art "Pilz" aufzutuermen. Futter fuers Vieh. Das gesamte Haus war aus dunklem Holz und Lehm gebaut. Wunderschoen. Die kleinen Kinder freuten sich nen keks, dass eine weisse Frau ihnen ihr Stroh traegt.
Ein paar Schritte aufwaerts begannen die Newar-Haeuser. Die Newar sind ein urspruenglich sehr wuerdevoller Stamm aus dem Kathmandu-Tal, deren Haeuser durch schmucke Holzornamente (und ihre winzige Hoehe) hervorstechen. Traditioneller Weise transportieren Newar-Maenner ihre Waren in Koerben, die links und rechts an Bambusstangen baumeln, die sie im Nacken tragen. Die Sarees der Newar-Frauen weisen eine spezielle Faltung an der Front auf. Es heisst, im Kathmandu-Tal gaebe es noch immer Newar, die noch nie mit Geld in Kontakt gekommen seien, weil sie nur vom Tauschhandel leben! Im Uebrigen ist auch die Kumari Devi, eine lebende Goettin, die den Staatspraesidenten segnet, vom Newar-Stamm (empfehlenswerte Lektuere: 'From Goddess to Mortal', Scott Berry). Ich glaube, dieser Teil der Stadt gefaellt mir am Besten.
Wir streifen weiter so durch die Gassen, uns beiden gehen immer wieder die Augen ueber. Nach einem tee in einem Haus, das scheinbar gar kein Teehaus ist, wird uns auch ein Zimmer in diesem "hotel", das wohl auch gar keins ist, angeboten. Hoeflich lehnen wir ab und machen und auf den (langen) Weg zurueck insTouri-Viertel Lakeside.
Hungrig und sonnenverbrannt kommen wir heim, geniessen erneut daal bhaat und den Sonnenuntergang am See, in Vorfreude auf den morgigen Tag, unseren ersten Tag im Krankenhaus. Ich dneke, ich werde recht gut schlafen heute Nacht; behuetet vom kleinen Salamander, der sich in unser Zimmer geschlichen hat, werden meine mueden Knochen ruhen und mein Geist den Traeumen folgen, die der Rauch der Joints aus dem Zimmer nebenan ihm eingibt...

Samstag, 6. März 2010

It's only today - tomorrow everything is different

Wie recht dieser Mann doch hatte, der mir diese weisheit mitteilte in kathmandu auf dem durbar square. heute frueh um 7 bestiegen wir einen bus in richtung pokhara, der uns 8 stunden lang aus dem moloch kathmandu zum phewa-tal (= fewa-see) am fusse des annapurna gebirges brachte.
auf der fahrt wuenschte ich mir so sehr, ich koennte malen und all die ausblicke in bildern festhalten. doch mein pinsel ist nur ein federkiel und meine farbpalette ein sack voll worte. mein bild wir ein geflecht aus einblicken, die sich waehrend der schaukeligen fahrt in mein hirn gebrannt haben.
die kurvigen, verstopften strassen, die sich wellig und verschlaglocht ihren weg durch himalaya-gebirge bahnen. seitlich an sie schmiegt sich der terassen-foermige ackerbau, den ich bi8sher nur aus dem erdkunde unterricht kannte. das kraeftige, saftige, giftige gruen des reises, der in wassergefluteten feldern waechst, arrangiert sich mit dem strahlend blauen himmel, an dem eine stechende sonne klebt. die frauen, die auf den feldern arbeiten, setzen sich dezent in szene mit ihren zumeist roten sarees. auch aus der ferne, so meine ich, nehme ich ihre gegerbten gesichter wahr, tiefe dunkle falten in dunkler haut. die hageren ziegenhueter sind gut "behuetet", ihr sonnenschutz ist wagenradgross. mit noch duerreren stecken als ihre beine lenken sie den strom der tiere.
das steingraue flussbett, durch das im moment eher klaeglich tuerkisfarbenes wasser fliesst, wird immer wieder punktuell aufgelockert von bunt gekleideten frauen, die dort waesche walken. ein mann hockt und flicht einen korb.
die huetten am rand der strasse sind lehm-verputzt; hier haben die haeuser und kochstellen wunderbar weiche, runde formen; mensch und tier hingegen sind sehnig, duerr und knochig. neben dem dorfbrunnen, an dessen kuehlem nass kleine jungs sich erfreuen, steht an eine mauer geschrieben, versteckt hinter orangenen blueten und gruenzeug:

EDUCATION leads you from DARKNESS into THE LIGHT.
Viele schulkinder sind unterwegs. die maedels wirken mit ihren weissen kniestruempfen, dunklem rock, hemd, pullover und zoepfen so wie in asiatischen comics: irgendwie unschuldig.
Nicht selten kommt mir ein riesiger pack unkraut entgegen. am unteren ende kann man, bei genauer betrachtung, zwei duerre, o-foermig gekruemmte beinchen erkennen. meist frauen schleppen diese lasten auf ihrem ruecken. mit einem um den kopf gebundenen seil verteilen sie das gewicht - knochenarbeit ist hier kopfarbeit.
immerzu saeumen bananenstauden den weg, mal wirkt die umgebung wirklich subtropisch auf mich, mal fuehle ich einen anflug mediterranes aufkommen; wenn der terracotta-farbene boden zu tage tritt, wenn der unterjochte ochse die pflugschar durch den grund wuehlt. aber das ist nur ein ganz kurzer moment. alles hier ist asien. es ist wie paradies.
nicht nur. nicht umsonst taucht nepal relativ haeufig und regelmaessig in meiner aktuellen lektuere "die unterste milliarde" (Paul Collier, bpb) auf. an der bitteren armut fuehrt nur ein verklaerter blick vorbei. die pol;itische lage ist alles andere als stabil.
inzwischen ist es schon wieder dunkel. nach einem erneut koestlichen "daal bhaat" (nepal. curry) und einem kitschig-schoenen sonnenuntergang liege ich nun in einer haengematte auf dem dach unseres hostels direkt am see. irgendwie gut, dass das land so haeufig mit "energy cut-offs" zu kaempfen hat - light pollution ist hier die einzige verschmutzung, die es wohl nicht gibt. ueber mir sternenklare nacht. der schwertscheide des orion noch nie so nah. mein herz tanzt, als ich den grossen wagen entdecke. jetzt weiss ich, dass ich hier in gewisser weise "daheim" bin - anders als damals in indien. nepal ist auch geschaeftig und voll (zumindest kathmandu) und laut. aber im vergleich zu chennai oder madurai is es eine oase. oder kommt mir das nur so vor, weil mich der suessliche duft von marihuana umgibt?!

Donnerstag, 4. März 2010

[dui:'kap tschiah:, dinos]

Namaste!

bereits gestern Nachmittag sind wir am Flughafen in Kathmandu angekommen, von dem aus wir gemeinsam mit einer jungen Deutschen nach Thamel, dem touristischen Zentrum Kathmandus, haben bringen lassen. In einem guenstigen Hotel konnten wir uns nach einem kleinen Umschauen durch die Nachbarschaft dann erst mal von der Anreise erholen. Der Rezeptionist teilte uns mit einem breiten Grinsen mit, dass seine Stadt wunderbar sei, nur ein kleine Problem habe: oftmals keinen Strom. So war das dann auch in der ersten Nacht, aber mit Stirnlampe laesste es sich auch vorzueglich lesen und ueber der Lektuere einschlummern. Und, Regina: deine Klorolle ist einfach unsagbar gut: sowohl nuetzlich als auch witzig.
Sophie und ich staunen wie die kleinen Kinder in dieser Stadt, die vor Laerm, Gehupe, frohen Farben, laechelnden Menschen, strahlendem Obst und Gemuese (inkl. des spiessbuergerlich-deutschen Blumenkohls), warmen Sonnenstrahlen, unzaehligen Tempeln, schoenen Schriftzeichen, koestlichen Dueften, Gebetsfahnen, Teestaenden, Rikschas, Dreck, Tieren, frischem Schlachtgut, aus allen Naehten platzt. Spaetestens seit heute ist uns klar, dass wir in diesem Schmelztegel mindestens eine Woche verbleiben wollen, am Ende unserer Reise. Denn morgen ist Aufbruch nach Pokhara, mit dem Bus 6 Stunden, wenn denn keine Strassensperrung o.ae. aufkommt.
Es ist unglaublich, so haeufig kommen Bilder aus Suedindien in mein Hirn, die mir Nepal weniger nepalesisch machen moechten, aber ich bemuehe mich, dies eher als Vergleichsmoeglichkeit zu nutzen. Und es gibt nunmal unleugbar Aehnlichkeiten. Inzwischen habe ich schon wunderbare Literatur aus Nepal kennen gelernt, so dass ich nun also nach dem physischen Ankommen auch meinen Geist damit anfuettern kann.
Die Ueberschrift im Uebrigen lautet "Zwei Tassen Tee, bitte". Das haben wir soeben gelernt, als wir uns an einem kleinen Hauseingang diese Pause goennten und Maennern beim Mensch-aergere-dich-nicht spielen zusahen. und so langsam kam dann auch ein "Gespraech" zustande, bei dem wir erfuhren, dass dieses Spiel gut fuer den Geist sei, und wie man auf Nepali bis 5 zaehlt. Eine alte, runzelige Frau mit strahlenden Augen, einem Nasenring und Kippe fand uns wohl auch ganz nett, gesellete sich dazu und hat uns froehlich an- und ausgelacht. Eine wunderbare originale Erfahrung, die gut tut, nachdem wir heute erstmal orientierungsmaessig die Wege des lonely planet abgelaufen sind. Ach, es tut gut, hier zu sein. Mir gehen die Augen ueber, und ich glaube, das Herz ist auch kurz davor...
Seid lieb gegruesst zu Hause, erneut von einem Ort, an dem ich mich wohl fuehle.

Montag, 1. März 2010

Destination Nepal


"For many travellers, Nepal is paradise on earth, or at the very least Shangri La. Wedged between the mountain wall of the Himalaya and the steamy jungles of the Indian plains, this is a land of yaks and yetis, monasteries and mantras, snow peaks and Sherpas, temples and tigers, magic and mystery. Ever since Nepal first opened its borders to outsiders in the 1950s, this tiny mountain nation has had an almost mystically allure for travellers. Explorers and mountaineers came to conquer the highest peaks, trekkers came to test themselves against some of the most challenging trails on earth and hippies came to wander in a stoned daze through the temple-filled towns at the end of the overland trail..." (lonely planet, 2009)

Für Sophie und mich beginnt der Aufbruch gen Osten am 2. März, für knapp 7 Wochen werden wir in diesem kleinen Land sein, zum Einen, um eine Famulatur im Western Regional Hospital in Pokhara abzuleisten, zum Anderen sicher auch, um uns in dieser uns fremden Kultur treiben zu lassen und so gut als möglich Einblick, Durchblick, Weitblick zu erhalten.

Ich bin froh, dass ich nach meiner Polen-Zeit diesen vielleicht überstürzt wirkenden erneuten Aufbruch, wieder in eine völlige Fremde, diesmal nicht alleine wagen muss, sondern mit einer engen Freundin unterwegs bin, die ich u.A. sehr wegen ihrer hinterfragenden, neugierigen und diskussionsfreudigen Art schätze.
Ich hoffe, dass ich doch immer wieder Gelegenheit und Möglichkeit finden werde, hier ein paar Zeilen über mein und unser Erlebtes zu verfassen, wir werden sehen...